Gespräch mit einem Unbekannten in der Onkologie


Gestern war ich wieder einmal mit jemandem zur Kontrolle in der onkologischen Tagesklinik.

Ich begleite ihn seit über 3 Jahren dorthin, das 1. halbe Jahr mit Chemos und Bestahlungen, jetzt nur noch alle 6 Monate zur Kontrolle.

Mit der Zeit kennt man sich dort gut aus, kennt jeden der vielen Ärzte, die Schwestern und die Empfangsdame. Ab und zu erkennt man auch einige von den Patienten wieder.

Der 1. Schritt wenn man die Station betritt ist immer wieder beklemmend:  Dieses Piepen von den Geräten, als Zeichen, dass die Chemo durch die Adern geflossen ist, und der Patient für heute fertig ist.

Die Augen in die man sieht, manche voller Hoffnung, andere verloren und so unendlich traurig, wieder andere schauen überhaupt nicht auf.

Gestern dauerte es besonders lange bis wir die Ergebnisse vom Doc bekamen. Wir hielten uns im Wartezimmer auf.

Ein Mann den ich schon den ganzen Tag über schon sah, fuhr mit seinem Rollstuhl in das Wartezimmer um auf sein Taxi zu warten. Ich schätze ihn auf ca. 65 – 70 Jahre.

Wir kamen ins Gespräch:

Er erzählte, dass man ihm nicht mehr helfen kann und man ihm auch keine Progrose gegeben hat, wie lange es noch dauert. Er redete über sein erfülltes Leben, und über seine Angst die ihn ab und zu überkommt. Er redete darüber, dass selbst er noch immer eine kleine Hoffung hat, dass es vielleicht ein Wunder gibt und er aufwacht und geheilt ist.

Ich war schon sehr berührt, wieviel Vertrauen mir dieser Mann entgegen brachte mit seinen Aussagen. Er hat ganz oft gelächelt und es war mir nicht eine Sekunde peinlich oder unangenehm, mit ihm über dieses Thema zu reden.

Als wir gingen, war er immer noch im Wartezimmer, ich gab ihm die Hand, gab ihm einen Zettel mit einer Adresse über  Infos eines Naturheilmittels, und wünschte ihm alles Gute, in der Gewissheit, das wird das erste und letzte Mal sein, dass wir uns begegnet sind. Insgeheim wünschte ich mir in diesem Moment  ein Wunder für ihn.

© Zehra Anders

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